19-01 BRITANNIEN 2019 FÜR ZWEI MONATE AUF DIE INSEL


VORREDE
WARUM GERADE GROßBRITANNIEN?
Wir wollen in einer politisch hochinteressanten Zeit zum Englisch lernen nach England, Wales und Schottland fahren. Englisch ist die Weltsprache Nummer eins. Auf all unseren bisherigen Reisen haben wir es bedauert, dass unser Englisch so lückenhaft ist. Wenn wir auf die Leute zugehen, dann sollten wir in zwei Monaten unsere Sprachfertigkeiten etwas verbessert haben.
Auf uns wartet in den nächsten zwei Monaten der geordnete oder der ungeordnete Brexit. In den vergangenen Jahren haben wir kopfschüttelnd den Briten zugeschaut wie sie sich auf den Austritt aus der Europäischen Union vorbereiten. Eigentlich von vornherein ein Widerspruch in sich: Das Vereinigte Königreich war stark weil es sich vereint hatte; eben dieser ehemals starke vereinigte Staat tritt aus dem Staatenverbund der EU aus. Beifall haben die Vereinigten Staaten von Amerika und die Russische Föderation geklatscht. Beide Staaten sind stark und unabhängig auf Grund ihrer ungeheuren Größe. Die Briten wollen nur noch zu den Kleinen gehören. Verstehen kann ich das nicht. Es scheint so, als ob sich hier ein Land „verzwergt“.
Egal, wann die Briten nun endlich austreten und wie sie austreten, ob geordnet oder ungeordnet, an dem entsprechenden Tag ändert sich das Leben in Großbritannien erst mal nicht. Die Leute werden weiter zur Arbeit gehen, der Bäcker verkauft weiterhin Brot und Brötchen, die Felder werden bestellt werden, die Kühe müssen gemolken werden, die Schüler werden weiterhin in die Schule gehen müssen. Und trotzdem, dieser Tag wird das Leben im Vereinigten Königreich zumindest  verändern, eventuell auch stark verändern. Wer sich selbst klein macht, hat weniger zu sagen und ist schnell der Verlierer.
Genug der Vorrede, wir fahren auf die große britische Insel! Einmal rundherum im Uhrzeigersinn. Wir freuen uns auf zwei hochinteressante Monate auf Wohnmobilreise.
Das Reiseziel Großbritannien steht seit unserer Überfahrt mit der Fähre über das Kaspische Meer fest. Junge Leute aus aller Welt mit den verschiedensten Muttersprachen haben sich „köstlich“ auf Englisch unterhalten. Da kann man nur neidisch sein! Nachdem wir zurück in Neustrelitz sind haben wir per „Babbel“ Englisch gelernt. Das funktioniert auch ganz gut, wenn man denn durchhält. Leider hat der eigene innere Schweinehund ganz schön oft gewonnen.

TEIL 19-01
VON NEUSTRELITZ ÜBER DEN ÄRMELKANAL NACH GROßBRITANNIEN

Sonnabend, 23.03.2019 
Abfahrt 10.20 Uhr bei Kilometerstand: 146 783
Unsere Tochter Evi feiert ihren inzwischen 38. Geburtstag.
Sonntag, 24.03.2019
Bis nach Calais sind es knapp 1000 km, wir fahren etwa die Hälfte bis nach Vlotho an der Weser. Stellplatz direkt an der Weser. N52,1689 E8,8671 500m bis ins Zentrum, fast nebenan ist Rummel unter der Brücke.


Montag, 25.03.2019
Weiterer Fahrtag, unterwegs Gas tanken; in Moers tanken 1,199€/Liter (vorher in der Tanken-App nachgesehen).
Übernachtung vor Dünkirchen in Bray Bunes bei Carrefour keine Kosten, Entsorgung möglich, Wasser ab April möglich
N51,0622 E2,5216

Dienstag, 26.03.2019
Tanken in Dünkirchen bei Auchan 1,438€/Liter; in Großbritannien wird es nochmal teurer!
Nach Calais den Hinweisschildern zur Fähre folgen. Ticket kaufen: 149,-€ nur für die Hinfahrt für zwei Personen plus WOMO bei P&O Ferries
Geld tauschen im Fährterminal 500 Pfund für 622,- €
Calais - in der Warteschlange

Im Bauch der Fähre

Gleich geht's los

Es sind schon einige Fähren unterwegs


„Abschwimmen“: 12.45 Uhr, 1 ½ Stunden später legen wir fast auf die Minute genau in Dover an. Es ist jetzt 13.15 Uhr englischer Zeit!
Einfahrt in den Hafen von Dover

Die berühmten Kreidefelsen von Dover

Kurz vor dem Anlegen

Das Ausfahren geht schnell, plötzlich sind wir auf englischen Straßen. Links fahren ist angesagt. Ist schon komisch, geht aber.
Von einem Austritt aus der EU ist nichts zu spüren. Klar, wir haben keine Vergleichsmöglichkeiten. Uns erscheint alles als sehr gelassen und sehr normal.
Für die Scheinwerfer brauchen wir Abdeckschablonen, die soll es hier im Hafen geben. Wir sehen nichts! Na dann wohl an der nächsten Tankstelle. Ran, rein, babbeln, die versteh‘n mich sogar! Nur, die haben hier die Abdeckschablonen für Autos, die nach Europa fahren, für „andersrum“ Fehlanzeige! Also lautet der Beschluss: Nicht in der Nacht fahren das ist muss!
Wohin jetzt? In der Nähe ist ein Handelszentrum mit einem LIDL dran. Toll, bei LIDL einkaufen!
Wie weiter? Am Besten wir suchen einen Campingplatz in der Nähe. Campingplatz App auf, etwas nach unserem Geschmack suchen. Dusche, Wasser, Entsorgung sollte vorhanden sein. Koordinaten eingeben und dann geht es auf schmalen hügeligen Straßen weit links fahrend nach Martin Hill zum Campingplatz Hawthorn Farm N51,1679 E1,3455. Für 16 Pfund stehen wir hier sehr schön unsere erste Nacht im Vereinigten Königreich.


Mittwoch, 27.03.2019

Aufwachen bei schönstem Wetter in einer parkähnlichen hüglichen friedlichen Landschaft. Es riecht nach Landwirtschaft, Schafe weiden in der Nähe, gestern Nachmittag waren viele Kaninchen überall unterwegs. Wir spazieren durch den Ort zum Bahnhof. Alle Häuser sind kleiner als bei uns. Die Eingänge, Fenster und Zimmerhöhen sind klein und erinnern an eine Puppenstube. Das macht alles so heimelig, bescheidener, so ein bisschen wie in alten Zeiten?

Auf der Landkarte gibt es den Ort Deal. Hört sich gut an, da müssen wir hin. Wahrscheinlich war das ein guter Ort für Deals? Wir finden eine kleine Stadt am Ärmelkanal mit einem Castle und wenig Parkplätzen. Der Strand besteht aus sehr großen Kieselsteinen. So richtig nichts zum Baden. In der Stadt, kleine gedrungene englische Puppenstubenhäuschen. Irgendwie sehr traditionell.
Der Strand von Deal

Strandstraße in Deal

An der Küste fahren wir entlang nach New Romney. Hier ist die Mittelstation der kleinsten Personeneisenbahn der Welt. Spurweite 15 Zoll rund 38 cm. Ein tolles Ding, alles auf ein Drittel verkleinert. Zur Zeit verkehrt sie nur am Wochenende, von April bis zum 27. Oktober mehrmals täglich. Das wäre was für die Rückfahrt Ende Mai. Mal sehn, ob wir‘s machen.
Die kleinste Personeneisenbahn der Welt

Stellwerk in New Romney

Die Drehbühne


Bahnhof in New Romney



Lokomotivschuppen mit Dampflok's

Straßentunnel


Bahnhof von der Straße aus gesehen
Kohle für die Dampflok's

Weiter zur Landzunge bei Dungeness. Hier befindet sich die größte Kiesellandschaft der Erde, eine Kieselwüste. Ein Teil davon ist Nationalpark mit Beobachtungstellen für Wasservögel. Ein anderer Teil wird von einem Atomkraftwerk belegt.

Vogelrastplatz vor Atomkraftwerk

Kieselwüste

Im WOMO-Reiseführer finden wir die Koordinaten für unseren neuen Übernachtungsplatz. Vor dem Pub „The Bell of Iden“ dürfen wir Übernachten. N50°58‘56“ E0°43‘51“ Bier, Cidre und Abendbrot haben allesamt gut geschmeckt.

Pub, Wohnmobil und britsche Telefonzelle

Donnerstag, 28.03.2019
Nach einer ruhigen Nacht fahren wir nach Rye. Zuerst versuchen wir einen Parkplatz zu finden. Auf dem üblichen Parkplatz ist Wochenmarkt, die anderen sind entweder zu teuer oder mit Nicht-für-Wohnmobile-Durchfahrtstangen begrenzt. Nach zwei Runden um die kleine Stadt herum fahren wir zum Fischer, fragen nett nach, ob wir hier stehen dürfen. Ein hilfsbereites „natürlich“ antwortet und schon sind wir für drei Stunden in der wunderschönen Altstadt von Rye.
Im Mittelalter gehörte Rye zum Bündnis „Cinque Ports“. Gegen die stetigen Angriffe war Rye trotzdem machtlos. Mehrmals wurde die Stadt von Eroberern dem Erdboden gleichgemacht. In Handelsstädten war eben viel zu holen! Daraufhin wurde Rye ein Schmugglernest. Mit der Versandung des Hafens brachte der Schmuggel auch wenig ein und versank in der Bedeutungslosigkeit. Übrig blieb ein mittelalterlicher Stadtkern der sehr ansehenswert ist.
Castle von Rye



Fluß bei Ebbe



Autor ist der Verfasser des Dschungelbuches; er wohnte hier in der Nähe.





Nach der Besichtigung von Rye fahren wir zum mittelalterlichen Wasserschloss „Bodiam Castle“. 1385 wurde Bodiam Castle von Sir Edward Dallingride, einem Glücksritter, erbaut. Während der englischen Bürgerkriege wurde es unbewohnbar und verfiel. 1926 wurde es vom National Trust erworben und restauriert.




Das was im Inneren übrig geblieben ist.
 Der britische „National Trust“ wurde vor über 150 Jahren gegründet um das historische und Naturerbe zu erhalten und ist das Vorbild für alle Naturschutz- und Denkmalschutzstiftungen in der Welt. Für 120 Pfund werden wir für drei Monate Mitglied und haben damit freien Eintritt in alle Liegenschaften des National Trust. Das wird sich bei den Eintrittspreisen hier in den nächsten zwei Monaten gut gerechnet haben.
Zum Übernachten fahren wir nach Hastings. Auf einem Parkplatz am Fitnesscenter haben wir einen Stellplatz mit Meerblick. N50.8548 E0.5701

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